Monitoring in der Passivhaussiedlung am Columbiadamm

Datum: 06.05.2014
Zeit: 16:30 - 18:30
Ort: Passivhaussiedlung am Columbiadamm

Moderation: Dipl. Ing. Peter Schrage-Aden, Aktionskreis Energie e.V. ;
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Veranstalter: Aktionskreis Energie e.V.

Besichtigung

Monitoring in der Passivhaussiedlung am Columbiadamm

Monitoring in der Passivhaussiedlung am Columbiadamm

Referent:  Bernhard Marcuse, Medi-Hausverwaltung

In der Schwiebusser Str / Friesenstr. entstanden in den letzten Jahren mehrer Passivhäuser als Baugruppen oder Genossenschaft, die nicht nur architektonisch interessant sind, sondern auch sehr innovative Heizsysteme und Gebäudeautomationen aufweisen.
So stehen in einem Haus 5 Lichtblick  BHKW als Teil eines Virtuellen Kraftwerks, die Energieversorgung der Gebäude sind über Bussysteme so aufgeschaltet, dass sie eine optimale Energiedatenüberwachung und damit ein Monitoring ermöglichen. Wie weit dieses umgesetzt wurde und wie handhabbar die Technik ist, wird uns Herr Marcuse demonstrieren.
Eine weitere Besonderheit der Anlage ist der Schallschutz zum Columbiadamm und der Columbiahalle hin, der durch eine Wand und darin integrierte Gewerbeeinheiten einen abgeschlossenen Gemeinschaftsgarten schafft und die Einhaltung der Immisionsrichtwerte sichert.

Erste Eindrücke der Besichtigung am 6.5.2014

2014-05-06 Besichtigung Schwiebusser Str. 42

Herr Marcuse, der Verwalter von 2 der insgesamt 12 Häuser, die an dieser ehemaligen Industriebrache entstanden, führte uns in die beiden Heizzentralen.

Das Haus Nr. 45 hat ein System aus Erdsonde (99 m) und Gaswärmepumpe. Der Planer, das Büro Feddersen (www.fedderseningenieure.de) haben für diese Anlage, die ähnlich auch im Haus 42-44 eingebaut wurde, den Deutschen TGA-Award erhalten, der auf den Energietagen Berlin am 19.5. im Ludwig Erhard Haus überreicht werden soll.

Es wurden 7 Varianten gerechnet und unter Kosten- und Komfortgründen diese Variante gewählt. Verwendung findet eine 42 kW Gaswärmepumpen, die mit Ammoniak arbeitet und die 1200 m² Wohnfläche versorgt. (35 W/m²)

Sie hat, neben der Heiz- auch eine Kühlfunktion im Sommer, da die Sole mit 10 °C gefördert wird. In den Geschoßwohnungen erfolgt die Kühlung, wie die Heizung, über die Fußbodenheizung. Im Dachgeschoss wird die Betondecke durch Betonkernaktivierung gekühlt.

Ein Anwohner, der bei der Führung anwesend war, berichtete, dass er in der heißen Zeit 2013 mit 38° Außentemperatur nicht über 25 ° im Dachgeschoß gekommen ist. Dieser “Nebeneffekt” der Erdsonde führte zur Entscheidung für diese Variante. Die Wärmekosten liegen bei 2,40 €/m² und Jahr. Das Kühlwasser wird nicht zusätzlich gekühlt. Der Kühlbetrieb im Sommer erfolgt über Wärmetauscher. Die Wärme im Heizungssystem wird mit der Kühle der Ersonden ausgetauscht.

Im Haus Friesenstr. 15 versorgt Lichtblick mit dem “Zuhausekraftwerk” die Bewohner mit Wärme und Strom. Der Vertrag läuft über 10 Jahre, danach will die Baugruppe neu entscheiden, wie sie das Haus versorgen lassen will. Lichtblick muß dann den Keller räumen oder erhält einen Verlängerungsvertrag.

 2014-05-06 Lichtblickanlage Freisenstrasse  2014-05-06 Lichtblickanlage Pufferspeicher

Im Keller stehen drei Module (Typ VW Motor) und 8 WW-Speicher. Das Haus ist mit einem K7 Bussystem vernetzt, über das u.a. alle Verbrauchsdaten laufen. So können in Echtzeit von jedem Bewohner die Daten seiner Wohnung und des gesamten Hauses in Form einer Excel-Tabelle abgerufen werden. Betreut wird das System von einem Mitbewohner, der im Hauptberuf Informatiker ist.

Lichtblick hat ein Forschungsprojekt über das intelligente Haus laufen, in das diese Erfahrungen einfließen sollen. Die Wärme wird von Lichtblick für 6,9 c/kWh abgegeben, der Strom für 25 c/kWh.

Bei einer Neuinstallation würde Lichtblick wieder zu einem Spitzenkessel zurückkehren , da sich das ursprüngliche Konzept (Verkauf von teurem Spitzenlaststrom) auf Grund der gefallenen Stromgestehungskosten nicht bewährt hat. Der AK Energie hatte 2008 darüber berichtet (siehe Archiv).

Der Strom wird eingespeist und ist Teil des virtuellen Kraftwerks. Lichtblick ist auch Stromversorger des Hauses. Dieser Vertrag ist aber losgelöst von dem Zuhausekraftwerk. Trotzdem konnte ein guter Vertrag ausgehandeltwerden, der deutlich unter den Vergleichskosten von Vattenfall liegt.

Ausblick: Es liegen noch keine Vergleichsverbräuche aller 12 Häuser vor. Wir werden im  nächsten Jahr nachfragen und darüber berichten.

Am 10.5. gibt es ein Straßenfest, auf dem sich die einzelnen Hausgemeinschaften vorstellen.

Es lohnt sich, einmal vorbeizuschauen, es ist ein schönes Stück Urbanität.

Folgende Unterlagen wurden von Herrn Feddersen zur Verfügung gestellt:

Für weitergehende Fragen wenden Sie sich bitte an Herrn Feddersen:

Dipl. Ing. Christian Feddersen VDI
FEDDERSEN INGENIEURE GmbH
Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik
Waldstraße 44a, D-10551 Berlin-Tiergarten
Tel.: 00 49 30 34 99 70 20
Fax: 00 49 30 34 99 70 66
cf@fedderseningenieure.de

www.fedderseningenieure.de